«das gastgewerbe im visier», interview mit simone nijsen, managing director Randstad (schweiz)
"Das Gastgewerbe im Visier", Interview mit Simone Nijsen, Managing Director Randstad (Schweiz)
Simone Nijsen, die Arbeitslosigkeit ist endlich wieder etwas zurückgegangen, die Konjunktur soll anziehen. Ist das Schlimmste überstanden?
Wir sehen seit ein paar Wochen einen leichten Aufwärtstrend, auch in anderen Ländern. Die Schweiz ist aber spät in die Rezession gerutscht und wird so auch vom Aufschwung später profitieren. 2010 wird für den Arbeitsmarkt kein Boomjahr, aber es geht aufwärts.
Wie sieht es konkret aus?
Bei der Vermittlung von Temporärjobs sind wir seit März wieder über Vorjahr. Bei der Feststellenvermittlung sogar seit Anfang Jahr. Bei gut qualifizierten Berufsleuten wird es schon wieder eng, so wie vor der Krise. Hier stehen wir vor einer demografischen Herausforderung quer durch alle Branchen.
Wo holen Sie sich die fehlenden Mitarbeitenden
Wir können uns bei qualifiziertem Personal nicht allein auf Schweizer Mitarbeitende ausrichten. Um alle Stellen zu besetzen , müssen wir auch im Ausland rekrutieren. Bei unserer Kaderdivision ist der internationale Anteil noch grösser als im Durchschnitt. Die meisten kommen aus Deutschland und Frankreich.
Der Gastgewerbe-Markt ist bei Randstad Schweiz sehr untervertreten: Ist die Branche für Sie nicht interessant?
Doch. Wir wollen unser Engagement im Gastgewerbe ausbauen. Ich war ja selbst lange in dieser Branche. Dabei konzentrieren wir uns auf die fünf Schweizer Grossstädte Zürich, Genf, Lausanne, Bern und Basel. In Bern bearbeiten wir den Markt bereits mit einer eigenen HoReCa-Unit. Die Unit besteht aus zwei Fachpersonen aus dem Gastgewerbe, die entsprechend beraten können. In den anderen Städten sind wir daran, solche Units aufzubauen. Bis Mitte 2011 soll der Prozess abgeschlossen sein. Dabei fassen wir den Markt etwas weiter: Auch der Hostessen-Service für Präsentationen in Warenhäusern gehört dazu.
Wie generieren Sie dafür die Mitarbeitenden?
In Bern haben wir bereits einen Pool aus bis zu 30 gelernten Gastgewerblern oder solchen mit Branchenerfahrung. In den anderen Grossstädten bauen wir Pools auf. Gerade für Caterer ist das interessant, wenn ein Mitarbeiter ausfällt oder ein Event ansteht und kurzfristig ein Personalbedarf besteht.
Ist das Gastgewerbe aufwendiger?
Die Aufträge kommen noch kurzfristiger rein als auf anderen Märkten. Bei einem Krankheitsfall sollten wir oft schon am nächsten Tag einen Mitarbeiter stellen können. Selbst temporär werden im Gastgewerbe oft Teilzeitstellen vermittelt. Ob wir nun aber einen Vollzeitjob oder einen Teilzeitjob vermitteln: Der Aufwand ist für uns der gleich.
Rekrutiert man im Gastgewerbe anders?
Für Mitarbeiter, die an der Gästefront arbeiten, gewichten wir bei der Auswahl die Persönlichkeit genauso hoch wie die Fachkompetenz.
Sie gelten als Verfechterin der Teilzeitarbeit selbst bei anspruchsvollen Jobs. Werden wir zur 80-Prozent-Gesellschaft?
Das denke ich nicht, aber der Anteil der Teilzeitmitarbeiter wird weiter steigen. Denn heute ist die Arbeit nicht mehr alles im Leben, Freizeit wird immer wichtiger. Die demografische Entwicklung fördert das noch: Da es an Arbeitskräften fehlen wird, müssen mehr Frauen arbeiten. Für diese müssen Arbeitgeber Teilzeitjobs bereit haben.
Online-Job-Suchmaschinen erschweren sicher auch Ihnen das Geschäft: Was machen Sie dagegen?
Vermittlung ist ja mehr als online einen Job oder Mitarbeiter suchen… Und auch wir benützen die Job-Seiten im Web, das ist für uns eine Ergänzung bei der Rekrutierung. Bei Randstad ist man jetzt daran, eine grosse Jobsuchmaschine zu lancieren, auf der Randstad-Kunden und Nicht-Kunden gratis ihr Jobangebot platzieren können Bis im vierten Quartal dieses Jahres soll das stehen.
Machen Sie sich da nicht selbst Konkurrenz?
Das ist eine gute Frage. Noch ist das Projekt in Entwicklung.
Zur Person: Vom Catering zum Personalvermittler
Randstad ist in der Schweiz der drittgrösste Stellenvermittler und mit rund 40 Filialen in der Deutsch-und Westschweiz vertreten. Simone Nijsen (47) ist seit 2003 Managing Director Randstad Schweiz. Die gebürtige Niederländerin hat Betriebswirtschaft und Hotelmanagement in Maastrich studiert. Die ersten sieben Berufsjahre arbeitete sie in der Cateringbranche, unter anderem bei Sodexho. Seit 20 Jahren ist Simone Nijsen nun in der Personalvermittlungsbranche tätig.

