"die bedeutung der work-life-balance nimmt weiter zu", interview mit simone nijsen, managing director Randstad (schweiz)
"Ich denke, dass Unternehmen vermehrt die Wünsche ihrer Angestellten beachten und versuchen, diesen Rechnung zu tragen," sagt Randstad-Schweiz-CEO Simone Nijsen im Interview und nimmt Stellung zur wachsenden Bedeutung der Work-Life-Balance und den Möglichkeiten von Teilzeitarbeit als Antwort darauf.
Frage: Frau Nijsen, das Thema Work-Life-Balance ist in aller Munde. Worauf führen Sie das in letzter Zeit so stark gestiegene Interesse an diesem Thema zurück?
Simone Nijsen: Ich glaube, dass die heutige junge Generation nach wie vor Wert auf ihren Jobinhalt legt. Der Fokus liegt jedoch nicht nur darauf. Ihre Bedürfnisse gehen auch vermehrt in Richtung Freizeit, Reisen, Studieren, Weiterbildung. Sie suchen nach einer ausgewogenen Kombination zwischen Life and Work. Hier geht es immer stärker in Richtung "Arbeiten, um zu Leben" und nicht "Leben, um zu Arbeiten".
Simone Nijsen, CEO Randstad Schweiz
Aufgrund des guten Ausbildungsniveaus ist generell der Lebensstandard in der Schweiz hoch, und deshalb kann man es sich eher erlauben, einen Ausgleich zwischen Arbeit und Privatleben zu schaffen.
Ich denke, dass Unternehmen vermehrt die Wünsche ihrer Angestellten beachten und versuchen, diesen Rechnung zu tragen. Teilzeitarbeit wird für viele Arbeitnehmer immer wichtiger, um sich ihren Wunsch nach Familie, Studium oder Weiterbildung zu verwirklichen. Bei Randstad gewähren wir den Mitarbeitern überdurchschnittlich viele Urlaubstage, die nicht angespart, sondern zur Erholung genutzt werden sollten. Weiter unterstützen wir die individuelle Entwicklung eines jeden mittels Training sowie interner und externer Weiterbildung.
Die Anzahl Freitage spielt sicher eine Rolle aber nicht nur. Erholung findet meist erst nach einer längeren Periode von Freitagen statt. Wichtig ist, dass ein Arbeitnehmer die Möglichkeit hat, seine Ferien nach seinen Wünschen und Vorstellungen zu beziehen. Bei Randstad wird darauf geachtet, dass jeder Mitarbeiter wann immer möglich, seine Freitage nach seinen Plänen beziehen kann. Auch wird das Teilzeitmodell bis in die Managementstufe angeboten und auch wahrgenommen.
Im Unterschied zu unseren Nachbarländern, die teilweise nach der ängelsächsischen Kultur leben, wird in der Schweiz der Fokus nicht auf möglichst viele Stunden im Büro gelegt, sondern hier zählen Effizienz und effektive Arbeitslösungen. Die erhöhte Sicherheit um den Arbeitsplatz lässt den Schweizer wahrscheinlich ebenfalls eher abschalten während seiner Ferienzeit.
Die Schweiz besteht ja nicht nur aus Finanzunternehmen. Im Generellen ist die Schweiz ein sehr stabiles Land, mit Sektoren, die sich als sehr robust bewiesen haben. Hier sind das Vertrauen, die Stabilität und die Sicherheit sehr gut organisiert.
Vielleicht weil sie glauben, dass sie durch ihre ständige Anwesenheit die totale Kontrolle haben?!?
Dies ist meines Erachtens abhängig von Funktionsniveau und Sektor. In Dienstleistungsunternehmen ist wohl generell die Managementstufe verantwortlich, dass die Koordination der Planung optimal läuft. Bei Produktionsbetrieben nehmen einzelne Mitarbeiter aber eher direkten Einfluss auf die Planung. In der Produktion müssen die Mitarbeiter die fehlenden Kollegen durch erhöhten Arbeitseinsatz vertreten.
Simone Nijsen, CEO Randstad Schweiz
Der Vorgesetzte sollte die Verantwortung für seine Mitarbeiter übernehmen und mit einer Jahresplanung ermöglichen, dass jeder seine Ferien sinnvoll beziehen kann. Ebenfalls sollte der Mitarbeiter in Selbstverantwortung seine Planung koordinieren.
Ich denke, dass die Wichtigkeit von Work-Life-Balance noch weiter zunehmen wird. Das Bedürfnis nach Teilzeitarbeit wird wohl weiter steigen sowie der Wunsch nach Weiterentwicklung im eigenen Job. Arbeitgeber mit einem Fokus auf Work-Life-Balance werden in Zukunft von Kandidaten bevorzugt.
Da bin ich etwas zwiespältig. Auf der einen Seite werden die Kommunikationsmittel immer vielfältiger und dadurch die Arbeitnehmer immer besser erreichbar sein. Jedoch entspricht dies auch dem Bedürfnis des Menschen. Auf der anderen Seite geht die Tendenz immer mehr in die Richtung, dass der Mitarbeiter auch während der Arbeit einen Teil Freizeit ausüben kann, als Kompensation dazu wird in der Freizeit bei Kapazität auch ein Teil Arbeit miteingeflochten. Die Grenzen der Trennung werden dadurch unklarer.
Dies ist sicher auch abhängig davon, wie jeder persönlich damit umgeht. Wie lerne ich nein zu sagen, wie kann ich mich am besten abgrenzen, bis wohin stimmt es für mich persönlich? All diese Fragen sollte jeder für sich definieren und danach leben. Jedoch möchte ich die Unternehmen nicht aus ihrer Verantwortung nehmen. Die Anforderungen und der Zeitdruck dürfen nicht über den Verhältnissen der Mitarbeiter liegen.
Ich persönlich empfinde meine Balance zwischen Arbeit und Privatleben als gut, weil hinter mir ein tolles Team steht, mit dem ich die Verantwortung im richtigen Masse teilen kann. Somit ist meine Work-Life-Balance gewährleistet.

